Vom Schönheitswahn und Drang nach Selbstoptimierung

10.10.17

Es ist schon merkwürdig. Die einen Haare werden gezupft, die anderen gewachst, die einen verlängert, die anderen gefärbt oder nachgezeichnet. Lange Wimpern gelten als schön, lange Beinhaare eher weniger und die Augenbrauen nur so lange sie in einer bestimmten Form verlaufen und kein Härchen aus der Reihe tanzt. Nägel werden verlängert und angemalt, Lippen vergrößert, dunkle Schatten ausradiert, Pickelchen abgedeckt. Wir befinden uns in einem immer fortwährendem Prozess der Selbstoptimierung – ob wir es wahrhaben wollen oder nicht.

Wenn der Schönheitswahn zur Sucht wird...


„Mein Körper ist eine Baustelle“ 

Vor kurzem meinte eine Freundin zu mir „Ich habe das Gefühl, mein Körper ist eine Baustelle“. Ich finde dieser Vergleich dürfte für viele Menschen zutreffen – mich eingeschlossen. Das eigene Selbst wird als unzulänglich und fehlerhaft wahrgenommen. Das heißt es muss optimiert werden. Große Augen mit langen Wimpern, ein Schmollmund, makellose Haut, eine lange glänzende Mähne, eine schlanke Taille, ein flacher Bauch, lange Beine. Nur an Brust oder Po darf dann ruhig wieder etwas Fett dran sein. Aber auch nicht zu viel. Sonst fällt es aus dem Rahmen dessen, was auf Plattformen wie Instagram als schön gilt. Und ich will damit nicht sagen, dass ich eine Person, die all diese Merkmale aufweisen sollte, nicht als schön wahrnehmen würde. Sie würde mein Gefühl für Ästhetik wohl genau so ansprechen, wie das einer jeden anderen Person. Weil wir eben darauf konditioniert wurden bestimmte Merkmale als schön zu empfinden. Vielleicht auch weil manches Merkmal als rein natürliches Indiz für einen gesunden Menschen steht, wie zum Beispiel weiße Zähne oder glänzendes Haar.

Die Suche nach dem Heiligen Gral 

Dass wir – so sehr wir uns auch anstrengen – dieses Ideal niemals erreichen werden können, verdrängen wir. Damit will ich nicht sagen, es ist etwas Schlechtes an sich selbst zu arbeiten. Bis zu einem gewissen Grad ist es gut und wichtig gewisse Ansprüche und Ziele für den eigenen Körper zu haben. Nur so halten wir ihn gesund. Aber ab welchem Punkt wird die Selbstoptimierung zur Jagd nach dem Einhorn, der sinnlosen Suche nach dem Heiligen Gral? Zu einer Illusion, die wir uns aufrecht erhalten. „Ich habe es in der Hand. Wenn ich möchte, dann kann ich genau so aussehen, wie ich es mir ausmale.“ Das stimmt aber eben leider nur bedingt, da unserem Körper nun mal einfach gewisse Grenzen gesetzt sind.

Es ist okay 

Wer schmale Lippen hat, wird für einen vollen Schmollmund leider immer noch kosmetische Eingriffe benötigen, ein kleiner Busen wächst nicht einfach über Nacht – und falls er das doch tut, dann wächst die Hüfte eben meist gleich mit. Eine krumme Nase wird nicht ohne die Mithilfe eines Schönheitschirurgen gerade. Aber das ist okay. Das sollten wir uns immer wieder ins Gedächtnis rufen. Es ist okay nicht die optimale Version seiner Selbst zu sein. Natürlich kann man sein Geld für eine Nasen- oder Brust-OP sparen. Und, ganz ehrlich, wenn man das möchte, dann hat keiner ein Recht dazu diesen Wunsch zu verurteilen. Aber bevor man es tut, sollte man sich die Frage stellen, ob das hart verdiente Geld nicht bessere Anlagemöglichkeiten findet. Denn ist die Nase erst einmal kleiner und die Brust gestrafft, dann fällt einem vielleicht der nächste vermeintliche Makel auf. So kann man zwar ewig weiter machen, aber wirklich glücklich wird man damit nicht. Und selbst die perfekte Person auf Instagram, die all die oben genannten Kriterien erfüllt mit ihrem flachen Bauch, der perfekten Stupsnase, dem ebenmäßigen Teint und den langen Modellbeinen – selbst diese Person hat noch etwas an sich auszusetzen. Das kann ich euch garantieren.





× By guest author Daria ×


Theaterverrückte. Filmfanatikerin. Beauty-Addict. Stolzer Ravenclaw. Diese Begriffe beschreiben mich wohl am besten. Ich bin Daria, 26 Jahre alt (oder jung – wie man es nimmt) und die Stange in meinem Kleiderschrank ist schon zweimal herausgebrochen. Nicht, dass das hier von Belang wäre – aber ich wollte das nur mal erwähnt haben.
Als Gastautorin auf wilderminds.de freue ich mich meinen Senf beitragen zu dürfen. Viel Spaß damit! Auf Instagram findet ihr mich übrigens als @dariaayra

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10 Kommentare

  1. Ach ich hasse diese extreme Selbstoptimierung.
    Ich mein klar wenn man was ändern möchte, sollte man das unbedingt tun und dafür kämpfen.
    Aber inzwischen nimmt es bei vielen einfach überhand und ich würde es beinahe schon krankhaft nennen. Weil irgendwann ist es einfach ein Zwang alles immer perfekt machen zu wollen und man wird nie mit sich selber zufrieden sein.

    Liebe Grüße Anni von http://hydrogenperoxid.net

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  2. Hi du
    Danke das du es auf den Punkt bringst.
    Schönheit wandelt sich auch und das ist gut. Jede/r sollte zu sich stehen können wieder ist, sonst ist es nur eine billige Kopie die niemanden etwas bringt.
    Sei lieb gegrüßt von Nicole

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  3. So ein toller Bericht, danke Dir!

    Hmm... ich würde mich nie unters Messer legen, aber gewisse Haare müssen einfach ab! ;oD

    Aber ich finde sowieso, man sollte mit sich selbst zufrieden sein, was ich sehr schlimm finde, ist der Druck für junge Mädels! In meiner Jugend war der Druck schon da, aber heute noch mehr und da verstehe ich es, wenn die jungen Mädels schnell mal überfordert sind!

    Liebe Deinen Körper so, wie er ist!

    Hab einen schönen Tag!

    xoxo
    Jacqueline

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  4. Ich glaube, an dem Punkt, wo sich die Gedanken nur noch darum drehen und trotz vielleicht beseitigter, vermeintlicher "Fehler" gleich die nächste Baustelle eröffnet wird, geht es irgendwie zu weit.
    Ansonsten kann für mich Make-up auch voll Spaß machen. Solange das so ist, finde ich es ok.

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  5. Ich finde das Wort Selbstoptimierung witzig und mein Körper ist definitiv keine Baustelle, er ist wie er ist und das ist gut so. Ich liebe ihn wie er ist. Ich finde es total schade, jeden Makel verstecken zu wollen. Warum denn und wofür? Für andere? Für Männer? Nie im Leben. Wer sich ständig selbst optimiert, sich unters Messer legt und damit meine ich die ganzen Barbiepüppchen kann nicht ganz dicht sein inklusive zu wenig Selbstbewusstsein.

    Liebste Grüße,
    Sandra.

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  6. Sehr schöner Beitrag! Ich hab auch schmale Lippen, würde aber niemals in irgendeiner Art Geld ausgeben um diese Aufspritzen oder anderes zu machen, ich glaub das würde dann am Ende nämlich gar nicht zu mir passen und irgendwie lustig aussehen :D Ich verurteile aber niemanden, der sich für Schönheits Op´s entscheidet, das muss jeder für sich selbst wissen und wen das glücklich macht, der soll es tun :D Liebe Grüße und danke für den tollen Beitrag <3

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  7. Hallo liebes,

    auch wenn ich eine große Beauty-Liebhaberin bin, verstehe ich deine Worte zu gut! Der Druck wächst und wächst. Besonders durch Social Media wie Instagram! Je älter ich werde, desto mehr lerne ich mich so zu lieben, wie ich bin. Toll, dass du dieses Thema aufgegriffen hast, denn das ist wichtig!

    Liebste Grüße
    Ronja

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  8. Mit dem letzten Satz kann ich dir nur zustimmen :D Lustigerweise habe ich gestern erst darüber nachgedacht, dass heutzutage auch einfach so nebenbei passiert und ganz normal scheint, sich zu optimieren. Ich finde einige Dinge echt cool, vor allem, wenn man sich damit besser fühlt aber man sieht schon viele, die einfach gleich aussehen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass jeder zweite (wirklich erfolgreicher Blogger), gemachte Wimern, aufgespritze Lippen und eine neue Nase hat...Keine Ahnung was ich davon halten soll ;)

    Liebe Grüße
    Nadine von tantedine.de

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  9. Hello! :) I have found your blog and I really like it. If you would like to support each other with follow, let me know on my blog:
    Shoot for the stars

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  10. ein wirklich toller Post! Und so ein wichtiges Thema - ich finde auch es sollte viel mehr darum gehen sich selbst so zu lieben wie man eben ist!

    Liebst,
    Alena
    lookslikeperfect.net

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